|
url: www.kpd-online.info/rmprint/1138
ROTER MORGEN online 1, 2009
Iran
Vor 30 Jahren stürzte das iranische Volk die Herrschaft des Schah
Im Januar 1979 zwang eine breite Volksbewegung von ArbeiterInnen, Bauern, der studentischen Jugend, Frauen und Männern, den verhassten Kaiser des Iran, Schah Reza Pahlevi, das Land zu verlassen. Wenige Wochen später musste auch die vom Schah installierte Regierung unter Shapur Bakhtiar zurücktreten: Das iranische Volk hatte das pro-imperialistische und pro-zionistische Schah-Regime, die Marionette der USA, gestürzt.
Die Herrschaft des Schah
Die Herrschaft der Pahlevi-Dynastie gründete auf ihrer engen Verbindung mit dem ausländischen Imperialismus, zunächst dem englischen. Nach der Entdeckung riesiger Ölvorräte im Iran übernahm die „Anglo-Persian Oil Company“ Anfang des 20. Jahrhunderts die wirtschaftliche Kontrolle über das Land. Die Profiteure dieser imperialistischen Unterjochung waren im Innern des Landes die iranischen Feudalherren unter der Führung des Schah. Die Familie Pahlevi war die reichste Familie des Iran und eine der reichsten Familien der Welt, während das iranische Volk in Stadt und Land im tiefsten Elend leben musste.
Bereits im Jahr 1951 kam es zu einem Volksaufstand im Iran, der von der nationalen Bourgeoisie unter Mohammad Mossadegh angeführt wurde. Mossadegh, der von der Tudeh-Partei unterstützt wurde, in der damals viele Kommunisten organisiert waren, übernahm die Macht im Iran und verstaatlichte die Ölindustrie. Der Volksaufstand wurde 1953 jedoch von der CIA und den Generälen des Schah blutig niedergeschlagen („Operation Ajax“). Mossadegh wurde gestürzt. Der Schah kehrte zurück auf den Thron.
Die führende imperialistische Macht im Iran waren fortan die USA, gefolgt von Großbritannien. Der Schah unterhielt außerdem wirtschaftliche, politische und militärische Beziehungen zur Sowjetunion, zu China und zur BRD (berüchtigt ist der Besuch des Schah in Berlin 1967, als der demonstrierende Student Benno Ohnesorg von der deutschen Polizei erschossen wurde). Seine Reichtümer verfrachtete der Schah ins Ausland. Er investierte u.a. Kapital in westdeutsche Stahlkonzerne. Im Innern des Landes ließ er seinen Geheimdienst SAVAK jeden Ansatz von Opposition verfolgen und unterdrücken. Er errichtete einen bizarren Kult um seine Person und die Familie seiner Vorfahren, der darin gipfelte, dass er sich 1967 selbst zum Kaiser krönte.
Die Revolution
In den letzten Monaten des Jahres 1978 brach der Volksaufstand gegen das Schah-Regime aus. Hunderttausende von DemonstrantInnen, darunter vor allem Arbeiter von den Ölfeldern und -raffinerien, Arbeiter aus den anderen Sektoren, Bauern und Jugendliche erhoben sich unter den Parolen „Tod dem Schah! Nieder mit dem Schah! Raus mit dem amerikanischen Imperialismus!“. Obwohl der Schah versuchte, die Revolution blutig niederzuschlagen, obwohl er die Armee mit Panzern auf das Volk hetzte und tausende DemonstrantInnen umbrachte, konnte er sein korruptes und volksfeindliches Regime nicht aufrechterhalten. Im Januar 1979 floh er ins Ausland.
Die Rolle der Schiiten und des Ayatollah Chomeini
Bei der iranischen Revolution handelte es sich um eine antifeudale und antiimperialistische Revolution, die von den breiten Volksmassen, darunter wichtigen Teilen der Arbeiterklasse, getragen war. Die Arbeiterklasse verfügte jedoch nicht über eine starke, verankerte kommunistische Partei. Der Einfluss der Marxisten-Leninisten der Toufan-Partei war schwach. Die Tudeh-Partei war längst revisionistisch entartet und eng mit dem sowjetischen Imperialismus verbunden. Auch ihr Einfluss auf die Entwicklung der Revolution war begrenzt. Großen Einfluss hatte jedoch die schiitische Sekte unter der Führung des Iman Chomeini, der wenige Wochen nach dem Sturz des Schah-Regimes aus dem Pariser Exil nach Teheran zurückkehrte. Es gelang den schiitischen Mullahs unter Chomeini, sich an die Spitze der iranischen Revolution zu stellen und sie als „islamische Revolution“ zu verkaufen.
Die schiitischen Mullahs im Iran waren zu einem bedeutenden Teil Großgrundbesitzer, die den Schah seinerzeit noch gegen Mossadegh unterstützt hatten. Ihr Interesse lag vor allem darin, selbst die Kontrolle über die iranische Wirtschaft und die Ölfelder des Landes zu erlangen, die bislang in den Händen des US-Imperialismus, des Schahs und seines Umfelds gewesen waren. Die Herrschaft des US-Imperialismus über den Iran wurde unter der Führung der Mullahs beseitigt. Der Iran brach außerdem die Beziehungen zu Israel ab und unterstützte die nationale Befreiungsbewegung des palästinensischen Volkes. Das ist die eine, die fortschrittliche Seite des Chomeini-Regimes.
Auf der anderen Seite jedoch war die neue herrschende Klasse der Mullah-Bourgeoisie, die mit Chomeini die Macht übernahm, keinesfalls in der Lage oder daran interessiert, die bürgerlich-demokratische Revolution im Iran konsequent durchzuführen: Weder kam es zu einer Landreform zugunsten der armen Bauern, noch wurde eine demokratische Republik errichtet, wie Chomeini es anfangs noch verkündet hatte. Ganz im Gegensatz dazu wurde ein reaktionäres, theokratisches, Regime errichtet, das die Arbeiterklasse und die fortschrittlichen Kräfte im Iran bis heute brutal unterdrückt.
Imperialistische Aggressionen gegen Iran
Nachdem die Imperialisten es 1979 mit ihren Panzern und Waffen im Iran nicht geschafft hatten, die Revolution zu unterdrücken und ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten, initiierten sie 1980 den Golfkrieg zwischen Irak und Iran, bei dem es um die Verhinderung der Ausbreitung der Revolution und um ihre Beseitigung ging. Der Iran ging aus diesem Krieg, der Schätzungen zufolge bis zu einer Million Tote forderte, siegreich hervor.
Der US-Imperialismus verfolgt bis heute in Zusammenarbeit mit dem deutschen und dem französischen Imperialismus sowie seinem israelischen Kettenhund eine massive Drohkampagne gegen den Iran. Vorwand sind seit einigen Jahren die angeblichen Pläne des Iran, Atomwaffen zu entwickeln. In Wahrheit geht es jedoch um die Rückgewinnung der vollen Kontrolle über den Iran durch die imperialistischen Mächte.
Die Mullah-Bourgeoisie im Iran hat es bis heute geschafft, die Unabhängigkeit des Landes gegenüber den imperialistischen Mächten aufrechtzuerhalten. Ebensowenig aber, wie sie in der Lage war, die Revolution konsequent zu führen, wird sie in der Lage sein, das Land konsequent gegen die Aggressionen des Imperialismus zu verteidigen. Das wird gerade bei ihrer teils zögerlichen, auf Ausgleich gerichteten Position in der Atomauseinandersetzung deutlich. Sie unterhält gute Geschäftsbeziehungen zu den europäischen Mächten, zu Russland und China. Sie kooperiert gleichzeitig auch mit dem US-Imperialismus, bspw. bei der Kolonisierung des Irak. Damit dient sie auch eigenen hegemonialen Bestrebungen in der Region des Mittleren Ostens.
Nur unter der Führung der iranischen Arbeiterklasse im Bündnis mit den Bauern und den breiten Volksmassen wird es möglich sein, die antiimperialistischen und demokratischen Aufgaben der Revolution von 1979 zu erfüllen und zu Ende zu führen und damit die Bedingungen für die Errichtung der Diktatur des Proletariats und den Aufbau des Sozialismus im Iran zu schaffen.
© Verlag Roter Morgen, Postfach 900 753, 60447 Frankfurt/M.
|